Zahnoperation bei Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten

Es gibt einige Patienten, die blutverdünnende Medikamente aufgrund vorliegender Grunderkrankung einnehmen müssen. Ist eine Zahnoperation notwendig, stellen sich Patienten mit Einnahme dieser Medikamente (blutgerinnungshemmend) die Frage: Soll ich mein Medikament zur Blutverdünnung absetzen?

Blutverdünnende Medikamente lassen sich im Wesentlichen in drei Gruppen aufteilen: Inhabitoren des Thrombins (Blutblättchen), Vitamin-K-Antagonisten und Medikamente mit Wirkung am Faktor-X-Komplex.

  • Thrombozytenaggregationshemmer sorgen dafür, dass die Bildung eines Blutpfropfes (Koagulum) erschwert wird, somit beeinträchtigen sie die Funktion der Thrombozyten (Blutplättchen) . Gewünscht ist diese Wirkung beispielsweise nach dem setzen von Stents oder bei koronare Herzerkrankungen. Es kommen verschiedenste Medikamente zum Einsatz, unter anderem ASS und Aspirin.
  • Antikoagulanzien sind Wirkstoffe, die im Körper die Blutgerinnung hemmen sollen. Diese Wirkstoffe behindern zunächst nicht die Bildung eines Koagulums , jedoch erhöhen sie die Gefahr einer Nachblutung, wenn es zur Nichtstabilisierung des Pfropfes kommt. Vitamin-K-Antagonisten stellen Phenprocoumon (Marcumar) und Warfarin (Coumadin) dar, diese sollen bestimmte Gerinnungsfaktoren in der Leber hemmen.
  • Medikamente mit der Wirkung am Faktor-X- Komplex hemmen direkt den aktivierten Faktor X. Der Faktor X ist ein Faktor der Blutgerinnung. Seine aktivierte Form heißt Faktor Xa. Faktor X ist ein Protein mit einer Molekülmasse, deren Syntheseort die Leber ist, unter Verbrauch von Vitamin K. Medikamente mit dieser Wirkung sind hochmolekulare Heparine, niedermolekulare Heparine (Innohep, Clexane), sowie Fondaparinux (Arixtra). Medikamente wie Rivaroxaban (Xarelto), Apixaban (Eliquis) und Edoxaban (Lixiana) weisen das gemeinsame „xa“ auf, diese weisen den Wirkmechanismus der direkten Hemmung des Faktor X an.

Letztlich bleibt es im Ermessen des Zahnarztes, das Blutungsrisiko seiner Behandlung zu beurteilen. Sollte aus seiner Sicht eine Absetzung der Medikamente nötig sein, sollte stets immer eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Aktuell wird in der zahnärztlichen Praxis keine Indikation zur Unterbrechung mit Thrombozytenaggregationshemmer, sowie Vitamin-K-Antagonisten und zum Spritzen mit niedermolekularen Heparinen gesehen. Eine Studie zeigt, dass es durch Spritzen mit Heparin sogar zu einer erhöhten Nachblutungsrate gekommen ist.

Ist eine nötige Zahnoperation mit Absetzen der Medikamente erforderlich, ist immer der INR-Wert bei den Vitamin-K-Antagonisten zu beachten. Ist ein chirurgischer Eingriff geplant sollte der INR-Wert 3,5 nicht überschreiten.

Fazit

Nur in Ausnahmefällen ist eine Absetzung der laufenden thrombozytenaggregationshemmenden oder antikoagulativen Medikamentation bei zahnärztlichen und zahnärztlich-chirurgischen Maßnahmen angezeigt.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema, könne Sie und gerne ansprechen.

Ihr Zahnarztteam in Berlin-Lichtenberg

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