Parodontitistherapie

Gesundes Fundament schaffen und erhalten

Zahnverlust ist für jeden Menschen ein heikles Thema. Neben Karies gehören Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und Parodontitis (Zahnbettentzündung) zu dem am weitesten verbreiteten Krankheiten. Nach dem heutigen Wissensstand gehen bis zum 45. Lebensjahr hauptsächlich Zähne durch Karies und deren Folge verloren, danach aber ist die Zahnverlustrate durch Parodontitis höher.

Schuld an diesen Erkrankungen sind vor allem Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte. Bei der Entwicklung einer Parodontitis spielen im Gegensatz zu einer Gingivitis noch weitere Faktoren eine Rolle: Erbanlage, Immunsystem, Allgemeinerkrankungen (z.B.: Diabetes) und lokale Reizfaktoren in der Mundhöhle (z.B.: Zahnstein, überstehende Füllungs- und Kronenränder, hygieneunfähiger Zahnersatz). Bei Rauchern ist das Fortschreiten der Erkrankung meist rasanter.

Als ausschlaggebender Faktor für die Entstehung von Parodontitis ist das Vorhandensein von pathogenen Keimen die das Parodontium angreifen und zerstören. Dabei scheint nicht nur das Vorliegen der Keime entscheidend zu sein, sondern auch deren organisierte Struktur in der Plaque (Biofilm).

Unter einem Biofilm versteht man die Zusammensetzung von Bakterien die sich zu sogenannten Bakterienfamilien zusammenschließen. Somit produzieren Bakterien wiederum ein Milieu das für andere Bakterien lebensnotwendig ist. Zudem dient der Zusammenschluss dem Nährstoffaustausch, der Weitergabe von Genen und somit einer erhöhten Anpassungsfähigkeit an Veränderungen des umgebenden Milieus.

Wird dieser Biofilm nicht regelmäßig entfernt bilden die Bakterien eine organische Matrix, deren Hauptbestandteil Zucker ist. In dieser Matrix bilden die Bakterien nun Kolonien, die unabhängig voneinander koexistieren und agieren können. In diesem strukturierten Biofilm sind Bakterien nun in der Lage, Resistenzgene gegen Antibiotika zu bilden.

Biofilm der an der Zahnoberfläche haftet ist zwar genauso organisiert wie in einer Zahnfleischtasche befindlicher Biofilm, ist jedoch durch richtige Mundhygienemaßnahmen entfernbar und verliert dadurch seine Wirksamkeit.

Der Biofilm der sich in der Zahnfleischtasche an der Wurzeloberfläche befindet kann nicht durch einfache Mundhygienemaßnahmen entfernt und unschädlich gemacht werden. Dadurch kommt es zur chronisch lokalen oder generalisierten Infektion.

Vorsorge, Behandlung und Nachbehandlung

Wenn schon tiefe, entzündete Taschen vorhanden sind, sollte bei Ihrem Zahnarzt eine Parodontalbehandlung erfolgen. Dies ist üblicherweise eine geschlossene Kürettage, bei der in örtlicher Betäubung die Taschen gesäubert und die Wurzel- und Zahnoberflächen geglättet und poliert werden. Sollten die Taschen eine gewisse Tiefe überschritten haben, so kommt man nicht mehr bis in die Tiefe der Entzündung. Es ist eine offene Kürettage erforderlich, bei der das Zahnfleisch aufgeklappt wird.

Sollten nach der Parodontalbehandlung die Entzündungszeichen nicht deutlich zurück gehen und Blutungen weiter auftreten, kann über eine mikrobielle Keimbestimmung das Vorhandensein besonders parodontal pathogener Keime überprüft werden (sog. Markerkeimbestimmung). Zeigt Ihr Ergebnis solche Keime auf, kann eine spezielle Antibiotika-Therapie gezielt gegen diese Keime wirken.

Das Wichtigste ist Ihre perfekte Mundhygiene, die durch regelmäßige professionelle Zahnreinigung, durch eine Prophylaxe-Assistentin oder eine Dentalhygienikerin, unterstützt werden sollte. Damit werden die auslösenden Bakterien in der Mundhöhle auf ein Minimum reduziert und die Erkrankung kann nicht weiter fortschreiten. Für Raucher gilt, dass ein wesentlicher Faktor bei der Behandlung das Aufhören ist!